Das Patent, das die moderne Schweizer Taucheruhr definierte.
Am 15. Mai 1964 von Marc Jasinski für die Aquastar S.A. in Genf eingereicht (CH 436 140), ist die Deepstar-Lünette der weltweit erste Lünettenmechanismus für Mehrgang-Tauchgänge mit Dekompressionsskala. Sie trägt zwei Skalen: eine innere 60-Minuten-Skala für die verstrichene Tauchzeit und eine äußere Dekompressionsskala, kalibriert auf die französischen Marine-Tabellen jener Zeit. Mit ihr plant ein Taucher den ersten Tauchgang, misst das Oberflächenintervall und führt einen Wiederholungstauchgang direkt am Handgelenk durch, ohne Rechenschieber, ohne separate Tabelle.
Zweiundsechzig Jahre später ist die Geometrie unverändert. Jede moderne Aquastar Deepstar trägt das Lünettenmuster, das aus den originalen Zeichnungen von 1962 stammt.
Funktionsweise: ein durchgerechnetes Beispiel.
Um die Lünette zu verstehen, hilft ein durchgerechnetes Beispiel anhand derselben französischen Marine-Dekompressionstabelle der 1960er-Jahre, auf die die Lünette kalibriert wurde. Das nachstehende Szenario entspricht dem damaligen Wiederholungstauchgang-Plan eines Kampftauchers der Marine Nationale.
Erster Tauchgang.
Wählen wir hypothetisch eine Tiefe für den ersten Tauchgang und entnehmen der Tabelle die zugehörige maximale Grundzeit. Ein Tauchgang auf 39 Meter (etwa 130 ft) für 25 Minuten. Am Schnittpunkt von Tiefe und Zeit nennt die Tabelle zwei Werte. Der erste Wert ist die vorgeschriebene Dekompressionszeit in Minuten. Der zweite Wert ist der Partialdruck des im Körper aufgenommenen Stickstoffs, der „Koeffizient C". Dieser Koeffizient wird später im Oberflächenintervall vor dem Wiederholungstauchgang benötigt.
Werfen wir nun einen Blick auf die Lünette selbst. Sie trägt zwei Skalen, eine innere und eine äußere. Die innere ist die übliche 60-Minuten-Skala für die verstrichene Tauchzeit, wie sie auf jeder Taucheruhr zu finden ist. Die äußere Skala ist der Schlüssel zur Berechnung von Wiederholungstauchgängen.
Vor dem Einsteigen richtet der Taucher die Null-Markierung, den leuchtenden Punkt auf der Lünette, am Minutenzeiger aus, der Standardvorgang zur Messung der Tauchzeit. Während des Tauchgangs wandert der Minutenzeiger auf der inneren Skala und zeigt, wie viele Minuten auf 39 Metern verstrichen sind. Erreicht der Zeiger die vorab geplante 25-Minuten-Marke, ist die Grundphase beendet und der Aufstieg zum Dekompressionsstopp beginnt. Der Dekompressionsstopp dauert 15 Minuten; anschließend kann der Aufstieg an die Oberfläche abgeschlossen werden.
Oberflächenintervall.
An der Oberfläche dient die äußere Skala zur Berücksichtigung des Stickstoffabbaus vor dem zweiten Tauchgang. Hier kommt der zuvor ermittelte Koeffizient C, sagen wir 1,6, zum Einsatz. Der Wert 1,6 auf der äußeren Skala wird nun am Stundenzeiger ausgerichtet. Während sich der Stundenzeiger weiterdreht, zeigt die Lünette die abnehmenden Werte des aufgenommenen Stickstoffs, 1,5, 1,4, 1,3, 1,2. Solange der Wert nicht unter 1,4 gefallen ist, ist die Stickstoffkonzentration im Körper noch zu hoch und ein zweiter Tauchgang nicht erlaubt.
Zweiter Tauchgang.
Der zweite Tauchgang wird auf eine geringere Tiefe geplant, etwa 30 Meter. Der zweite Tauchgang sollte stets flacher sein als der erste.
Szenario A. Auf der äußeren „P=55-12 Meter"-Skala findet man die 30 (die geplante Tauchtiefe); die 6-Minuten-Marke der inneren Skala fluchtet mit der 30-m-Marke der äußeren Lünette. Diese 6 Minuten sind das Zeit-„Handicap", die Strafminuten, die vom zweiten Tauchgang abzuziehen sind. Ist genug Zeit vergangen und der Stundenzeiger ist vom ursprünglichen Koeffizienten C von 1,6 auf einen neuen Koeffizienten C von 1,1 gefallen, wirkt sich die volle 6-Minuten-Strafe aus. Aus 30 geplanten Minuten auf 30 Meter Tiefe werden so 24 Minuten tatsächliche Grundzeit. Die Dekompressionszeit bleibt wie in der Tabelle vorgegeben, 3 Minuten Pflichtdekompression, und der neue Koeffizient C nach diesem zweiten Tauchgang ist laut Tabelle 1,5.
Szenario B. War das Oberflächenintervall kürzer und der Stundenzeiger hat nur den 1,3-Bereich erreicht, wird die Zahl rechts dieses Bereichs, hier „3", als Multiplikator auf die 6-Minuten-Strafe angewendet: 6 × 3 = 18 Minuten werden vom geplanten 30-Minuten-Tauchgang abgezogen. Der zweite Tauchgang schrumpft auf 12 Minuten. Im 1,2-Bereich beträgt der Multiplikator 2: 12 Minuten werden abgezogen, es verbleiben 18 Minuten tatsächliche Tauchzeit.
Erstreckt sich das Oberflächenintervall über den 1,1-Bereich hinaus und in den „Normal"-Abschnitt der Skala, gilt der gesamte Stickstoff als wieder abgegast. Ab diesem Punkt lässt sich ein „zweiter" Tauchgang als neuer Erst-Tauchgang ohne Handicap planen.
Historischer Kontext.
Die Deepstar-Lünette wurde auf Grundlage der wissenschaftlichen Forschung der frühen 1960er-Jahre zur Gas-Sättigung im menschlichen Körper beim Tauchen entwickelt und patentiert. Das obige durchgerechnete Beispiel dient der historischen Verifikation der gestalterischen Absicht und ist keine aktuelle Tauchempfehlung. Die französischen Marine-Tabellen der 1960er-Jahre wurden seitdem ersetzt oder aktualisiert; die moderne Tauchpraxis stützt sich auf persönliche Tauchcomputer und die aktuellen Dekompressionsalgorithmen der zuständigen Normungsstellen. Die Lünette am Handgelenk bleibt jedoch genau so erhalten und ablesbar, wie sie 1964 entworfen wurde.
Weiterführende Seiten.
Zur Deepstar-Kollektion: jede moderne Deepstar trägt diese Lünette.
Über das Schaltrad-Kaliber lesen: der Chronographenmechanismus unterhalb der Lünette.
Die zehn Patente lesen: das vollständige Archiv einschließlich CH 436 140 (Jasinski, 1964).